Reinhard Mey "Mein Berlin" (1990)

Reinhard Mey "Mein Berlin" (1990)

My Berlin: A Personal Reflection

Childhood Memories of Post-War Berlin

  • The speaker recalls a desolate landscape in post-war Berlin, with ruins and destruction evident everywhere. They describe their childhood experience of walking alongside their mother during the harsh winter of 1946, emphasizing feelings of cold and confusion.
  • Vivid imagery is used to depict the remnants of war, such as bomb craters and oversized shoes that symbolize the speaker's youth and vulnerability amidst chaos. This sets a nostalgic tone for their memories of the city.

The Struggles and Resilience

  • The narrative shifts to moments of conflict where people fought against tanks with bare hands, illustrating the desperation and courage found in ordinary citizens during tumultuous times. This highlights a sense of community resistance against oppression.
  • The speaker reflects on personal loss, mentioning how they returned home to find half their world taken away, symbolizing both physical destruction and emotional trauma experienced by many during this period.

Longing for Freedom

  • A recurring theme is the longing for freedom; the speaker expresses deep yearning through metaphors about walls and barriers that represent both physical divisions in Berlin and internal struggles faced by individuals living there. Their frustration is palpable as they recount attempts to understand these limitations.
  • The mention of "Wachtürme" (watchtowers) and "Kreuzer" (cruisers) signifies not only military presence but also societal control over citizens' lives, contributing to an atmosphere filled with tension and uncertainty throughout their formative years.

Hope Amidst Despair

  • Despite past hardships, there’s a shift towards hope as the speaker acknowledges witnessing change over time—trees now standing where once there was devastation symbolizes resilience and renewal within Berlin itself. This juxtaposition emphasizes growth from adversity.
  • The closing reflections convey a sense of optimism about freedom finally being realized in their city while questioning what true hope means in light of historical struggles—a poignant reminder that progress often comes at great cost.
Video description

Lyrics: Reinhard Mey „Mein Berlin" Ich weiß, dass auf der Straße hier kein einziger Baum mehr stand, Ruinen in den Himmel ragten, schwarz und leergebrannt. Und über Bombenkratern ging ein Wind von Staub und Ruß, Ich stolperte in Schuhen, viel zu groß für meinen Fuß, Neben meiner Mutter her, die Feldmütze über den Ohren. Es war Winter '46, ich war vier und hab gefroren, Über Trümmerfelder und durch Wälder von verglühtem Stahl, Und wenn ich heut die Augen schließe, seh ich alles noch einmal. Das war mein Berlin, mein Berlin, mein Berlin, Den leeren Bollerwagen übers Kopfsteinpflaster ziehen, Das war mein Berlin. Da war'n Schlagbäume, da waren Straßensperren über Nacht, Dann das Dröhnen in der Luft, und da war die ersehnte Fracht Der Dakotas und der Skymasters, und sie wendeten das Blatt, Und wir ahnten, die Völker der Welt schauten auf diese Stadt. Da war'n auch meine Schultage in dem roten Backsteinbau, Lange Strümpfe, kurze Hosen, und ich wurd und wurd nicht schlau. Dann der Junitag, als der Potsdamer Platz in Flammen stand, Ich sah Menschen gegen Panzer kämpfen mit der bloßen Hand. Das war mein Berlin, mein Berlin, mein Berlin, Menschen, die im Kugelhagel ihrer Menschenbrüder fliehen, Das war mein Berlin. Da war meine Sturm- und Drangzeit, und ich sah ein Stück der Welt, Und kam heim und fand, die Hälfte meiner Welt war zugestellt. Da war'n Fester hastig zugemauert und bei manchem Haus Wehten zwischen Steinen noch die Vorhänge zum Westen raus. Wie oft hab ich mir die Sehnsucht, wie oft meinen Verstand, Wie oft hab ich mir den Kopf an dieser Mauer eingerannt. Wie oft bin ich dran verzweifelt, wie oft stand ich sprachlos da, Wie oft hab ich sie gesehen, bis ich sie schließlich nicht mehr sah. Das war mein Berlin, mein Berlin, mein Berlin, Wachtürme, Kreuze, verwelkte Kränze, die die Stadt durchziehen, Das war mein Berlin. Da war'n die sprachlosen Jahre, dann kam die Gleichgültigkeit, Alte Narben, neue Wunden, dann kam die Zerrissenheit. 70er Demos und die 80er Barrikaden, Kreuzberg brennt, An den Hauswänden Grafitti: "Steine sind kein Argument!" Hab ich nicht die Müdigkeit und die Enttäuschung selbst gespürt? Habe ich nicht in Gedanken auch mein Bündel schon geschnürt? All die Reden, das Taktieren haben mir den Nerv geraubt, Und doch hab ich wie ein Besessener an die Zukunft hier geglaubt. Das war mein Berlin, mein Berlin, mein Berlin, Widerstand und Widersprüche, Wirklichkeit und Utopien, Das war mein Berlin. Ich weiß, dass auf der Straße hier kein einziger Baum mehr stand, Ruinen in den Himmel ragten, schwarz und leergebrannt. Jetzt steh ich hier nach so vielen Jahren und glaub es einfach nicht, Die Bäume, die hier stehen, sind fast genauso alt wie ich. Mein ganzes Leben hab ich in der halben Stadt gelebt, Was sag ich jetzt, wo ihr mir auch die andere Hälfte gebt? Jetzt steh ich hier und meine Augen sehen sich nicht satt, An diesen Bildern -- Freiheit, endlich Freiheit über meiner Stadt! Das ist mein Berlin, mein Berlin, mein Berlin, Gibt's ein schöneres Wort für Hoffnung, aufrecht gehen, nie mehr knien, Das ist mein Berlin.