Kurt Georg Kiesinger - Der Vermittler [Doku]
Aufruhr in Berlin: Der Protest von 1968
Einleitung zum Aufstand
- Im November 1968 kommt es in Berlin zu einem Aufruhr, als eine kritische Jugend gegen den Staat ihrer Väter rebelliert.
- Die CDU tagt unter Kanzler Kiesinger, während eine junge Frau mit einem gefälschten Presseausweis Zugang zum Parteitag erhält.
Der Vorfall mit Beate Klarsfeld
- Beate Klarsfeld schreit "Nazi Kiesinger abtreten" und verpasst dem Kanzler eine Ohrfeige, was sie schlagartig bekannt macht.
- Diese Aktion wird zur Symbolfigur im Generationenstreit zwischen der älteren und jüngeren Generation.
Kontext des Protests
- Studenten protestieren gegen den Vietnamkrieg und die bürgerliche Gesellschaft; sie suchen neue Lebensformen.
- Die Protestbewegung sieht in Kiesinger ein willkommenes Feindbild aufgrund seiner Vergangenheit.
Reaktionen auf den Protest
- Kanzler Kiesinger fühlt sich durch die Ohrfeige gekränkt und sieht sich als Opfer von Unkenntnis und Dummheit.
- Es wird argumentiert, dass ohne diesen Vorfall kaum an Kiesinger gedacht worden wäre; er wird als "verkannter Kanzler" beschrieben.
Kiesingers politische Karriere
Regierungszeit und Wahrnehmung
- Die Zeit unter Kiesinger wird als eine der interessantesten Regierungszeiten angesehen, geprägt von Wohlstand und Umbruch.
- Die jungen Menschen streben nach Veränderung aus einer Welt, die ihnen fremd erscheint.
Politische Anfänge
- Kiesingers politische Karriere beginnt 1949 im ersten Bundestag für die CDU; er wird schnell als Außenpolitikexperte anerkannt.
- Er erhält den Spitznamen "König Silberzunge" aufgrund seines Redetalents in wichtigen Debatten.
Beziehungen innerhalb der Partei
- Trotz seiner Fähigkeiten bleibt Kiesinger oft nur eine Randfigur in der Politik; seine Loyalität gegenüber Adenauer wird erwähnt.
- Sein Umzug nach Stuttgart ermöglicht ihm mehr Einfluss als Landesvater, wo er bedeutende Persönlichkeiten zusammenbringt.
Der Kampf um das Kanzleramt
Nachfolge von Erhard
- Nach dem Rücktritt von Erhard tritt Kiesinger gegen drei Parteifreunde an; sein Ruf als fähiger Politiker spielt eine entscheidende Rolle.
Intrigen innerhalb der Partei
- Franz Josef Strauß manipuliert die Wahl zugunsten von Kiesinger, was zeigt, wie parteiinterne Machtspiele funktionieren.
Kiesingers Vergangenheit und die Auswirkungen auf seine Kanzlerschaft
Kritische Rückblicke auf Kiesingers Rolle im Dritten Reich
- Der Kanzlerkandidat Kiesinger wird von seiner Vergangenheit eingeholt, insbesondere durch seine Rolle im Dritten Reich, was zu einem Kreuzfeuer der Kritik führt.
- Professor Albert Norden enthüllt, dass Kiesinger ein führender Mann im Propagandaapparat Hitlers war, was die öffentliche Wahrnehmung seiner Kandidatur beeinflusst.
- Kiesinger trat 1933 in die NSDAP ein, überzeugt davon, nationale Kräfte gegen den Nationalsozialismus ausspielen zu können – eine naive Überzeugung.
- Trotz wachsendem Unbehagen bleibt er in der Partei und finanziert sein Leben mit juristischen Kursen für Studenten bis zum Kriegsausbruch.
- Während des Krieges findet Kiesinger einen Ausweg durch eine Dienstverpflichtung im Auswärtigen Amt, wo er als Verhandlungsführer agiert.
Propaganda und Machtspiele während des Krieges
- Die Rundfunksstelle des Außenamtes wird als wichtiges Instrument der Kriegspropaganda betrachtet; Kiesinger spielt dabei eine zentrale Rolle.
- Er steigt schnell zum Vizechef der Rundfunkabteilung auf und navigiert geschickt durch die politischen Spannungen innerhalb des Apparates.
- Kiesinger empfiehlt seinen Kollegen, mit den Propagandisten in deren Sprache zu kommunizieren – ein Hinweis auf seine Anpassungsfähigkeit.
- In der Endphase des Krieges wird er wegen seines Widerstands gegen antijüdische Aktionen denunziert; dies hat jedoch keine unmittelbaren Folgen für ihn.
- Ein späterer Vorwurf aus dem Archiv wird zur Grundlage für die Kritik an seiner Eignung als Bundeskanzler.
Politische Allianzen und Herausforderungen
- Es gibt öffentliche Diskussionen über Kiesingers Vergangenheit; einige glauben nicht, dass jemand mit seiner Geschichte Kanzler werden sollte.
- Mit Unterstützung von SPD-Führern wie Willy Brand und Herbert Wehner wird Kiesinger schließlich Kanzler einer großen Koalition gewählt.
- Die wirtschaftliche Flaute bringt Herausforderungen mit sich; Arbeitslosigkeit steigt und rechtsextreme Strömungen gewinnen an Zulauf.
- Wehner übt starken Einfluss auf Kiesinger aus; trotz Misstrauen entwickelt sich eine innere Abhängigkeit zwischen beiden Politikern.
- Ihre Zusammenarbeit ist geprägt von persönlichen Gesprächen und einer gewissen menschlichen Nähe trotz politischer Differenzen.
Kabinettssitzungen unter Kiesingers Führung
- Als Regierungschef versammelt Kiesinger starke Minister um sich; ihre unterschiedlichen Ansichten führen zu spannenden Dynamiken im Kabinett.
- Er agiert als Moderator in Kabinettssitzungen und nutzt persönliche Gespräche zur Konfliktlösung – ein Zeichen seines diplomatischen Geschicks.
Kiesinger und die Ostpolitik
Die Rückkehr und die Rolle von Strauß
- Kiesinger lässt Strauß erklären, was passiert ist, wobei Strauß das Gegenteil von dem sagt, was er zuvor geäußert hatte. Dies zeigt seine suggestive Art, andere zu überzeugen.
- In entspannter Atmosphäre am Bodensee versucht der Kanzler, Differenzen im Regierungsbündnis zu glätten. Er bevorzugt vertrauliche Gespräche in kleiner Runde.
Herausforderungen der Koalition
- Im Mai 1967 erhält Kiesinger einen brisanten Brief aus Ostberlin, der unerwartet im Kanzleramt abgegeben wird.
- Trotz anfänglicher Bedenken entscheidet sich Kiesinger, den Brief anzunehmen und eine wohldosierte Antwort zu verfassen.
Der Kurswechsel in der Ostpolitik
- Kiesinger zeigt sich zwar gesprächsbereit, lehnt jedoch Zugeständnisse ab. Er ist innerlich überzeugt, dass ein Kurswechsel nötig ist.
- Der Kanzler erkennt die Entwicklungen in der DDR an, akzeptiert aber nicht deren Status als eigenen Staat.
Bildung und persönliche Ansichten
- Kiesinger hat eine Vorliebe für Weltgeschichte und Staatsphilosophie; er zieht es vor, mit bedeutenden Persönlichkeiten über diese Themen zu diskutieren.
- Seine Gespräche mit Carlo Schmidt sind Höhepunkte seiner Amtszeit; er genießt intellektuelle Diskussionen.
Perfektionismus und Medienpräsenz
- Kiesingers Drang nach Bildung war entscheidend für seinen Aufstieg; er war gesellig und sprach mehrere Sprachen.
- Als Perfektionist stellte er hohe Anforderungen an seine Mitarbeiter und wies oft eigene Reden zurück.
Öffentliches Erscheinungsbild
- Kiesinger war sich seiner öffentlichen Wahrnehmung bewusst und spielte geschickt mit den Medien. Sein Auftreten war ihm wichtig bei Staatsbesuchen.
Washington und die Beziehungen zu Deutschland
Einvernehmen zwischen Washington und Johnson
- Der amerikanische Präsident Johnson und der Besucher aus Deutschland, Washington, finden schnell zu einem Einvernehmen, das unter dem Vorgänger gelitten hatte.
Familiensinn und Beliebtheit
- Der deutsche Gast erobert spielend die Herzen der Amerikaner, insbesondere durch seine Enkeltochter, die als beliebte Botschafterin fungiert.
- Er erzählt von seinem Spitznamen "Froschle", den ihm sein Großvater gab, was seine enge Bindung zur Familie verdeutlicht.
Politik und Ostblockbeziehungen
Schwierigkeiten in der Außenpolitik
- Kanzler Kiesinger hat Irritationen mit dem französischen Staatschef de Gaulle bereinigt; jedoch möchte sein Außenminister Brand nicht nur eine Staffage bleiben.
- Es gibt eine Einigung über die Öffnung zum Ostblock, wobei Brand offizielle Beziehungen zu Rumänien und Jugoslawien aufbaut.
Herausforderungen durch den sowjetischen Einfluss
- Der Kanzler sieht den Austausch mit dem Osten als Gefahr; viele Politiker reisen in die Tschechoslowakei.
- Der sowjetische Einmarsch in Prag 1968 zerstört Hoffnungen auf eine Verständigung zwischen den deutschen Staaten.
Revolutionäre Bewegungen und gesellschaftliche Veränderungen
Enttäuschung über politische Entwicklungen
- Die Enttäuschung des Kanzlers über gebremste Ostpolitik wird deutlich; trotz wirtschaftlicher Erfolge bleibt ein Gefühl der Unsicherheit bestehen.
Proteste und gesellschaftliche Umwälzungen
- Die Jugend sucht neue Ideale; während einer Demonstration gegen einen Staatsgast kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei.
- Revolution wird als langfristiger Prozess beschrieben, bei dem tiefgreifende gesellschaftliche Veränderungen notwendig sind.
Konfrontation zwischen Staat und Studentenbewegung
Eskalation nach Attentat auf Rudi Dutschke
- Nach einem Attentat eskaliert die Konfrontation zwischen Staatsmacht und Studenten; es entsteht ein Reformwille innerhalb der jungen Generation.
Forderungen nach Veränderung
- Unterstützung für Studentenproteste wird gefordert; es wird betont, dass Gewalt gegen diese Stimmen nicht toleriert werden sollte.
Notstandsgesetze und politische Reaktionen
Einführung von Notstandsgesetzen
- Trotz breiter Proteste können Notstandsgesetze eingeführt werden, welche Grundrechte im Ernstfall einschränken dürfen.
Auswirkungen auf die Opposition
- Die große Koalition führt zu einem Vakuum in der politischen Landschaft; dies begünstigt das Aufkommen einer außerparlamentarischen Opposition.
Herausforderungen für den Kanzler
Verlust des Respekts gegenüber Autoritäten
- Es zeigt sich ein Mangel an Respekt gegenüber staatlichen Autoritäten; dies widerspricht den Werten seiner Generation.
Kiesinger und die Herausforderungen der Bundespolitik
Persönliche Eigenschaften und Rückzug in die Heimat
- Kiesinger wird als feinfühlig beschrieben, was ihn in der rauen Welt der Bundespolitik verletzlicher macht. Er zieht sich oft in seine schwäbische Heimat zurück, um Distanz zu gewinnen, die für einen Regierungschef notwendig ist.
Politische Entwicklungen und Wahlkampf
- Im März 1969 tritt Gerhard Schröder von der CDU gegen Gustav Heinemann von der SPD an. Die FDP spielt eine entscheidende Rolle, indem sie dem SPD-Kandidaten zum Sieg verhilft. Dies markiert einen Machtwechsel hin zu einem sozialliberalen Bündnis.
Koalitionsprobleme und interne Spannungen
- Die Koalition zwischen CDU/CSU und FDP zeigt Anzeichen von Schwäche; es gibt Differenzen innerhalb der Fraktionen, was zu einem schleichenden Zerfall führt. Trotz Bemühungen um Zusammenhalt sind die Gemeinsamkeiten erschöpft.
Wahlkampfstrategie und Erwartungen
- Kiesinger setzt alles auf eine Karte: eine absolute Mehrheit für die Union im bevorstehenden Wahlkampf. Die Kampagne ist stark auf seine Person zugeschnitten, da er den Druck spürt, nach Jahren politischer Unsicherheit klare Ergebnisse zu liefern.
Wahlergebnisse und persönliche Reaktionen
- Am Wahltag erhält Kiesinger zunächst positive Hochrechnungen, doch letztlich verfehlt die Union die absolute Mehrheit um 0,9%. Diese Niederlage wird von ihm nicht akzeptiert; er sieht sich weiterhin als Teil des politischen Geschehens trotz des drohenden Endes seiner Kanzlerschaft.