10f, Lochkorrosion [Werkstofftechnik mit Prof. Sadlowsky]
Korrosionsschutz und Werkstoffauswahl bei nicht rostenden Stählen
Einführung in das Thema
- Der Vortrag behandelt Korrosionsschutz und die Auswahl von Materialien, insbesondere nicht rostenden Stählen, die oft fälschlicherweise als Edelstahl bezeichnet werden.
- Es wird auf die Marketingaussagen eingegangen, dass diese Materialien rostfrei sind und eine hohe Beständigkeit gegen Korrosion und Säuren aufweisen.
Definition und Eigenschaften von nicht rostenden Stählen
- Nicht rostende Stähle enthalten mindestens 10,5% Chrom und maximal 1,2% Kohlenstoff gemäß der Norm EN 10088-1.
- Die Entwicklung dieser Stähle begann mit der Firma ThyssenKrupp, die erkannte, dass Chrom korrodiert ist, aber metallisch glänzend wirkt.
Experimentelle Untersuchung zur Korrosionsbeständigkeit
- In Experimenten wurden verschiedene Stahlchargen mit unterschiedlichen Chromgehalten hergestellt (von 0 bis 18%).
- Die Ergebnisse zeigten einen abnehmenden Massenverlust mit steigendem Chromgehalt; ab etwa 10,5% war der Massenverlust minimal.
Mechanismus des Korrosionsschutzes
- Der Schutzmechanismus beruht auf einer dünnen Chromoxidschicht (2–4 Nanometer), die sich bildet und das Eisen vor Oxidation schützt.
- Diese Schicht verhindert den Zugang von Sauerstoff aus Wasser zu dem darunterliegenden Eisen.
Herausforderungen bei nicht rostenden Stählen
- Trotz ihrer Bezeichnung sind nicht rostende Stähle nicht vollständig rostfrei; sie können unter bestimmten Bedingungen korrodieren.
- Chloridionen können diese Schutzschicht angreifen und spezielle Formen der Korrosion verursachen.
Praktische Beispiele für Korrosion
- Ein Beispiel zeigt eine beschädigte Leitung durch Lochkorrosion; visuelle Inspektion reicht oft nicht aus.
- Bei genauerer Betrachtung kann man kleine Schäden oder Risse erkennen, die auf eine beginnende Korrosion hinweisen.
Korrosionsangriffe und ihre Auswirkungen
Entstehung von Löchern durch Korrosion
- Es wurde ein natürliches Loch entdeckt, das nicht künstlich ist. Dieses Loch zeigt ein typisches Erscheinungsbild einer nadelstichartigen Vertiefung.
- Bei der Analyse des Lochs wird eine Querschnittsansicht erstellt, die die Größe und Form des Schadens verdeutlicht. Die Profis können erkennen, dass es möglicherweise nachgeholfen wurde.
- Der pH-Wert in diesem Bereich beträgt 1, was auf die Bildung eines sehr sauren Fusionsprodukts hinweist. Diese Säure fördert die Ausbildung von Chromoxid.
Herausforderungen bei der Bekämpfung von Korrosion
- Die Herausforderung besteht darin, das Loch zu reparieren, da es sich kontinuierlich durch den Werkstoff frisst. Ein Austausch der betroffenen Leitungsabschnitte könnte notwendig sein.
- Der Vergleich mit dem Film "Alien" verdeutlicht, wie gefährlich solche Angriffe sind; die Säure kann durch Materialien hindurchdringen und sie zerstören.
Ursachen für Korrosionsschäden
- Chlorid-Ionen können korrosive Elektrolyte bilden, die in Kavernen gefangen sind und sich weiter durch den Werkstoff fressen.
- Hohe Konzentrationen von Chlorid (z.B. aus Meerwasser oder kontaminiertem Trinkwasser) erhöhen das Risiko für solche Schäden erheblich.
Modellierung des Korrosionsprozesses
- Ein Modell zur Veranschaulichung des Lochkorrosionsangriffs zeigt die Komplexität solcher Prozesse auf.
- Es ist wichtig zu verstehen, woher diese Schäden kommen: War es Trinkwasser oder Salzwasser?
Mechanismen der Metallauflösung
- Der Angriff auf die Oxidschicht erfolgt meist lokal durch Chloride und führt zu einer metallischen Auflösung.
- Elektronen werden freigesetzt und unter Anwesenheit von Sauerstoff wieder aufgenommen; dies führt zur Bildung von Wasserstoffprotonen, welche den sauren Charakter verstärken.
Zusammenfassung der Problematik
- Der Begriff "Lochkorrosion" wird im Englischen als "pitting corrosion" bezeichnet und tritt häufig in verfahrenstechnischen Anlagen auf.
- Das Problem liegt darin, dass diese Art der Korrosion oft nicht sichtbar ist, da sie lokal begrenzt ist.
Korrosionsbeständigkeit von Materialien
Einfluss von Chloridionen auf die Korrosionsbeständigkeit
- Hohe Korrosionsbeständigkeit ist entscheidend; jedoch können chloridhaltige Ionen zu flächigen Korrosionsschäden führen, die sich in nadelstichartigen bis hin zu kavernaartigen Vertiefungen äußern.
- Chloridionen sind häufige Verursacher von Korrosion; sie können auch andere Halogene umfassen, aber in den meisten Fällen sind es Chloridionen, die problematisch sind.
- Die Identifikation und Analyse der Korrosionsstellen ist wichtig; nach dem Auffinden der Schäden kann man gezielte Maßnahmen ergreifen.
Eigenschaften von Edelstahl und Legierungen
- Edelstahl hat spezifische chemische Zusammensetzungen (z.B. Phosphor, Mangan), die seine Eigenschaften beeinflussen; nicht jeder Stahl mit diesen Elementen ist korrosionsbeständig.
- Der Begriff "Edelstahl" wird oft missverstanden; viele Betriebe verwenden ihn fälschlicherweise für Stähle, die nicht rostfrei sind.
Beispiele aus der Praxis
- Ein Beispiel für einen Schaden an einer Kühlwasserleitung zeigt, dass solche Probleme lehrreich sein können; Kunden müssen verstehen, dass aus Schäden gelernt werden kann.
- Der verwendete Werkstoff 1.4571 (X6CrNiMoTi17-12-2) hat eine hohe Legierungszusammensetzung: 17% Chrom, 12% Nickel und 2% Titan.
Bedeutung von Molybdän in Legierungen
- Molybdän verbessert die Korrosionsbeständigkeit erheblich und spielt eine wichtige Rolle bei der Passivierung des Materials.
- Molybdän wirkt wie ein „Heilmittel“ in einem Rollenspiel: Es unterstützt das Material bei der Wiederherstellung seiner Beständigkeit gegen Korrosion.
Aktuelle Werkstoffe und deren Anwendung
- Die Bezeichnung V2A (alte Bezeichnung für Edelstahl mit bestimmten Eigenschaften) wird immer noch verwendet, obwohl sie veraltet ist; moderne Bezeichnungen sollten bekannt sein.
- Das aktuelle Material X6CrNiMoTi17-12-2 wurde über drei Jahre hinweg zur Behandlung von gefiltertem Flusswasser eingesetzt; redundante Betriebsweisen waren notwendig für eine kontinuierliche Trinkwasserversorgung.
Wasserqualität und Vorschriften
- Braune Beläge an Ozon-Generatoren deuten auf Leckagen hin; dies erfordert eine Überprüfung der Wasserqualität.
- Die zulässige Chloridkonzentration gemäß Trinkwasserverordnung liegt bei etwa 200 mg/l; Werte darunter erlauben den Einsatz bestimmter Stähle wie 1.4301 oder X6CrNiMoTi17-12-2.
Ersetzung von Titan 17-12-2: Eine Analyse
Chemische Zusammensetzung und Korrosionsbeständigkeit
- Der Titan 17-12-2 wird als besserer Ersatz betrachtet, da er einen Verbandskasten enthält. Kritisch ist der Gehalt von über 200 Milligramm pro Liter.
- Vor Ort muss eine Begehung durchgeführt werden, um die Kühlwasserleitungen zu überprüfen. Hohe Leitungsabschnitte zeigen signifikante Probleme.
- Bei der Untersuchung sind rostbraune Korrosionsspuren sichtbar, was Fragen zur genauen Ursache aufwirft.
Materialanalyse und Normen
- Eine Spektralanalyse wird durchgeführt, um die chemische Zusammensetzung des Materials zu bestimmen. Wichtige Elemente sind Chrom, Nickel und Molybdän.
- Der Chromgehalt ist entscheidend für die Korrosionsbeständigkeit; Nickel spielt eine geringere Rolle. Alle Werte liegen im grünen Bereich.
Korrosionsprodukte und deren Auswirkungen
- Die chemische Zusammensetzung zeigt 17% Chrom im Werkstoff an. Dies erklärt den hohen Wert in der Bezeichnung.
- Korrosionsprodukte treten besonders an Schweißnähten auf, was auf potenzielle Schwachstellen hinweist.
Belagsuntersuchungen und ihre Bedeutung
- Durch das Abziehen eines Klebebands können Ablagerungen untersucht werden. Diese Methode ermöglicht eine detaillierte Analyse der Oberflächenbeschaffenheit.
- Eine Rasterelektronenmikroskopie (REM)-Analyse wird verwendet, um die chemischen Bestandteile der Ablagerungen zu identifizieren.
Chloridgehalt und Langzeitbeobachtungen
- Die Untersuchung des Chloridgehalts ist wichtig, da Ablagerungen über drei Jahre entstehen können. Ein signifikanter Chlorideintrag wurde nicht festgestellt.
- Nach der Belagsuntersuchung kann die Oberfläche gereinigt werden, um weitere Anomalien wie dunkle Anlaufstellen zu identifizieren.
Korrosionsbeständigkeit von nichtrostenden Stählen
Einfluss der Chromoxid-Schicht auf die Korrosionsbeständigkeit
- Die Diskussion beginnt mit der Problematik rissiger Chromoxid-Schichten, wo Chlorid-Ionen eindringen können. Dies führt zu einer reduzierten Korrosionsbeständigkeit bei nichtrostenden Stählen.
- Es wird erwähnt, dass es zulässige Zusatzlegierungen gibt, jedoch die Dunkelfärbung und deren Auswirkungen auf die Korrosionsbeständigkeit kritisch betrachtet werden müssen.
- Der Ursprung von Korrosion wird in den unteren Schichten des Materials vermutet, was durch kleine Löcher in der Oberfläche sichtbar wird.
Selektive Korrosion und Schweißen
- Ein typischer Angriff durch Lochkorrosion wird beschrieben, wobei selektive Angriffe an den Wänden auftreten. Diese sind oft das Ergebnis unsachgemäßen Schweißens.
- Erfahrungen beim Schweißen von nichtrostenden Stählen sollten beachtet werden, da sie zur Reduzierung der Korrosionsbeständigkeit führen können.
Chromgehalt und seine Bedeutung
- Der Chromgehalt in der Deckschicht ist entscheidend für die Bildung einer stabilen Oxidschicht. Eine unzureichende Verteilung kann die Korrosionsbeständigkeit beeinträchtigen.
- Sauerstoffeinbringung während des Schweißens kann zu einer Erhöhung des Chromgehalts führen, was wiederum negative Auswirkungen auf die Materialeigenschaften hat.
Maßnahmen zur Verbesserung der Oberflächenqualität
- Um eine reduzierte Korrosionsbeständigkeit zu beheben, könnte man versuchen, die betroffenen Bereiche abzuschleifen; dies entfernt jedoch nur oberflächliche Schichten.
- Eine effektive Methode zur Wiederherstellung der Oberflächenqualität besteht darin, Eisen abzulösen. Dabei muss darauf geachtet werden, dass Rückstände entfernt werden.
Molybdän und seine Rolle in der Legierung
- Molybdän spielt eine wichtige Rolle bei der Verbesserung der Korrosionsbeständigkeit. Eine „magische Formel“ beschreibt den Zusammenhang zwischen dem Gehalt an Chrom und Molybdän.
- Die Wirksamkeit dieser Formel zeigt sich darin, dass ein höherer Gehalt an Molybdän zusammen mit Chrom zu einer besseren Beständigkeit gegen Korrosion führt.
Vergleich verschiedener Werkstoffe
- Der Vergleich zwischen verschiedenen Legierungen wie 1.4301 (18% Chrom + 3x Molybdängehalt) zeigt Unterschiede in ihrer Wirksamkeit gegenüber korrosiven Umgebungen.
- Statistische Analysen haben gezeigt, dass unterschiedliche Werkstoffe variierende Eigenschaften hinsichtlich ihrer Widerstandsfähigkeit gegen Korrosion besitzen.
Korrosionsbeständigkeit und Einfluss von Legierungsbestandteilen
Einfluss von Chrom und Molybdän auf die Korrosionsbeständigkeit
- Je höher der Chromanteil im Verhältnis zum Molybdän ist, desto besser ist die Korrosionsbeständigkeit. Dies wird durch das Lochfraßpotential verdeutlicht.
- Eine grobe Indikation für die Korrosionsbeständigkeit ergibt sich aus dem Verhältnis des Chromgehalts zu 3,2-fachem Molybdängehalt.
- Wichtige Faktoren für die Beständigkeit sind der Chrom-, Molybdän- und Stickstoffgehalt sowie die Beschaffenheit der Metalloberflächen.
Stationäre Strömung und mechanische Beschädigungen
- Stationäre Strömungsverhältnisse sind entscheidend; Unterbrechungen im Prozess können negative Auswirkungen haben.
- Mechanische Beschädigungen sind problematisch, da sie die schützende Passivschicht aus Chromoxiden beeinträchtigen können.
Kritische Werte bei Chlorid-Ionen
- Bei Chloridwerten über 200 mg/l muss der Werkstoff genauer untersucht werden; möglicherweise ist ein Wechsel in eine andere Legierung notwendig.
- Höhere Temperaturen reduzieren die Menge an kritischen Chlorid-Ionen, was ebenfalls einen Einfluss auf die Korrosion hat.
Spannungsrisiko und Rissnetzwerke
- Spannungsrisiken zeigen sich in Rissnetzwerken innerhalb des Materials, was zu einer erhöhten Anfälligkeit für Korrosion führt.
- Ein Beispiel zeigt den Unterschied zwischen verschiedenen Stählen (z.B. 14301 vs. 4541), wobei letzterer weniger anfällig für Risse ist.
Fallstudie: Katastrophe im Hallenbad
- Am 9. Mai 1985 kam es zu einem tragischen Vorfall in einem Hallenbad aufgrund von chlorhaltigem Wasser, das strukturelle Schäden verursachte.
- Die Untersuchung ergab, dass das Wasser mit Chlor gesättigt war, was zur Zerstörung führte; dies wirft Fragen zur Sicherheit zukünftiger Konstruktionen auf.
Analyse der Probleme bei der Deckenkonstruktion
Ursachen für die Probleme in der Halle
- Die Luft über der Wasseroberfläche hat sich mit Chlor gesättigt, was zu einer hohen Konzentration an chlorhaltiger Luft an der Fensterfront führte.
- Spannende Elemente aus nichtrostendem Stahl (43 0 1) wurden verwendet, um die Deckenhöhe zu reduzieren, was zur Bildung von Kondenswasser führte.
- Kältebrücken in der Deckenkonstruktion führten dazu, dass warme, chlorhaltige Luft auf kalte Oberflächen traf und kondensierte. Dies verursachte Risse und spontane Versagen in den spannenden Elementen.
Konsequenzen und Prüfmethoden
- Der Einsturz der Halle ist eine direkte Folge dieser Konstruktionsfehler. Heutige Standards erfordern eine gründliche Prüfung solcher Konstruktionen durch Sachverständige.
- Ein Magnet kann verwendet werden, um den Werkstoff zu identifizieren; verzinkter Stahl zeigt typischerweise Anzeichen von Weißrost.
Maßnahmen zur Risikominderung
- Um Spannungsrisiken zu minimieren, können alternative Materialien oder Legierungen wie Nickel eingesetzt werden.
- Es wird empfohlen, sanfte Kerben zur Vermeidung von Spannungskonzentrationen einzuführen und gegebenenfalls Kugelstrahlen anzuwenden.
Abschlussbemerkungen
- Der Referent hofft, dass die Zuhörer wertvolle Erkenntnisse gewonnen haben und wünscht einen schönen Tag.